Thorwald Dethlefsen

Kawwana - Kirche des Neuen Aeons

Thorwald Dethlefsen und seine gnostische Kirche des Neuen Aeons

 

Thorwald Dethlefsen gründete offiziell Kawwana - Kirche des Neuen Aeons im Jahr 1996 und schloß sie wieder 2003, als die Aufgabe der Kirche erfüllt war. Die Lehre der neuen Kirche ist in ihren Grundlinien gnostisch konzipiert. Er distanziert sich hierbei vom Esoterikjahrmarkt der Gaukler und Scheinlehren, die sich als Religion oder Esoterik ausgeben. Er betont, die einzigartige Wichtigkeit von Einweihungsritualen und authentischen Mysterienschulen, die einzig einen gangbaren Weg bieten.




Dethlefsen gibt dem höchsten Gott die Position der Führung der Kirche. Gleichzeitig distanziert er sich auch von exoterischen Kirchen wie der katholischen und protestantischen, die seiner Aussage nach von den Kräften der Finsternis regiert werden und nicht von Gott, der in der Tora (Altes Testament) erwähnt wird. Dethlefsen sah sich als von höchster Stelle Berufener und vergleicht seinen Offenbarungsempfang mit dem Gespräch von Moses mit Gott. Luria lebt nach Auffassung von Dethlefsen immer noch und leitet von fernsten Welten her zusammen mit anderen Persönlichkeiten die neue Kirche.

 

Die Grundlehre der Kirche beinhaltet 11 Thesen zu den Punkten, die in einem Vortrag von Dethlefsen genauer beschrieben werden: Der Höchste Gott, die Schechinah, der Avatar, Magie, Heilige Lehre, die vier Welten, der Rückweg, das Böse, Licht und Wort, der Tod, der Neue Aeon. Die Transmutationsethik ist eine Verantwortungsethik, keine Ethik des Handels, sondern eine Ethik des Seins. Sie überschreitet aber jede Ethik hin zur Mystik und kann in 7 Punkten gegliedert: Wandle Gier in Lebensfreude. Wandle Angst in Rhythmus. Wandle Zweiungstrieb in Liebe. Wandle Hybris in Demut. Wandle Irrwissenswahn in Weisheit. Wandle Welt in Kirche. Wandle im Angesicht des Höchsten.

 



Es nahmen zwischen 300 und 900 angemeldete Gäste und einige spontane Besucher teil. Schätzungsweise traten ca. 1000 Personen mit der Symmachia, einem Tauf-Ritual, der Kirche bei und bleiben mit ihr auch nach 2003 verbunden. 1998 errichtete Kawwana einen Tempel des Höchsten Gottes in München am Gärtnerplatz. Der Plan der Kawwana-Kirche, ein großes Gemeindezentrum in München in einer alten Fabrikanlage an der Plinganserstraße zu etablieren, scheiterte an Verwaltungsauflagen. Die Kabbalah nach Isaak Luria ist eine Hauptquelle der Kawwana-Kirche. Rituale stellen Dramatisierungen von Mythen dar. Das eher abstrakt-philosophische Denken der Esoterik tritt nun zurück zugunsten von mythologischen Personalisierungen.


 

Es heißt nun nicht mehr, Gott sei der All-Eine, das Tao, sondern Er ist einerseits En-Sof (Ain Soph), andererseits offenbart er sich als der Höchste Gott auf der Suche nach seiner verlorenen Schechinah. Statt von Gut und Böse ist nun vom  Schattengott Jaldabaoth 555 Teufeln und dem Todesbaum als Gegenspielern des Lebensbaumes die Rede. Das Chrysaor-Ritual, die vier Jahreszeitenfeste und das Avatar-Dogma basieren besonders deutlich auf Oskar Schlag als Quelle einer Neuoffenbarung. Die Kawwana-Kirche führte gemäß ihrer Konzeption von Alchemie, Kabbalah und Magie bei ihren Großveranstaltungen Rituale durch, die man entweder als passiver Zuschauer auf sich wirken lassen konnte oder als aktiver Adept absolvierte.


Folgende Veranstaltungen fanden statt: Chrysaor oder die Enthüllung des Gorgonenhauptes, Dionysikon, Anabasis, Silvester, Jahreszeiten-Zyklus (Frühlings-Tagundnachtgleiche, Sommer-Sonnenwende, Herbst-Äquinox, Winter-Sonnenwende), Symmachia.



Seine Kirche wurde von den Medien heftig kritisiert und sogar von naiven Gemütern als Sekte beschimpft. Doch kann Kawwana nicht ansatzweise Merkmale einer Sekte vorweisen. Große Talente in den Mysterien wurden stets von der törichten Masse verlacht und von ungebildeten Fanatikern als Sekte attakiert. Insbesondere wenn Themen wie Magie oder Esoterik aus der traditionellen Sicht begutachtet werden, stoßt man auf Widerstand. Leider werden die Medien von solchen unversierten Menschen beherrscht. Dethlefsen hat kein Geheimnis um die Fallen und Irrwege der Esoterik und Religion gemacht. Es ist verständlich, dass all jene, die scheinesoterische und religiöse Irrwege schreiten, keinesfalls Dethlefsen als spirituelle Autorität anerkennen wollen.